Biere wurden jahrhundertelang über den Sommer in Alpenhöhlen gelagert, bevor um 1840 industriell hergestellte Biere aufkamen. Die ersten Vertreter dieser neuen Generation entstanden ein paar Jahre vor dem Pilsener und waren in unterschiedlichem Maße dunkler. Obwohl die blonde Version später am meisten nachgeahmt wurde, haben bernsteinfarbene Lagerbier-Stile in vielen Ländern überlebt.
Siehe auch: Märzen (oder Oktoberfestbier).
Wiener (oder Wiener Lagerbier)
Typischerweise malziger als ein blondes Lagerbier, sollte ein Wiener (4,6-5,4 % vol.) leicht geröstet sein und eine zurückhaltende Bitterkeit aufweisen. Die Farbe reicht von rötlich-bernsteinfarben bis hellbraun. Die rötlichen Töne stammten früher von speziellem Wiener Malz, obwohl Karamellmalz heute üblicher ist. Das erste bekannte Exemplar stammt aus der Brauerei von Anton Dreher in Schwechat bei Wien aus dem Jahr 1841. Die Brauerei besteht noch heute und gehört zur Brau AG (Heineken), die sie 2014 wiederbelebte und damit frisches Interesse an diesem Stil sowohl in Österreich als auch anderswo entfachte.
Böhmisches Polotmavý
Dieser böhmische Stil eines bernsteinfarbenen Lagerbieres ist tendenziell robuster als das Wiener (oben), wobei der Hopfencharakter zwischen trivial und bedeutend variiert. Ein wenig Diacetyl ist erlaubt, sofern es konsistent ist. Das tschechische Wort polotmavý bedeutet „halbdunkel“, und wie bei seinem blonden Äquivalent werden zwei Intensitätsstufen genannt, in diesem Fall 11 oder 12 Grad Plato Ležák (4,8-5,2 % vol.) und das 13 oder 14 Grad Speciální (5,1-5,7 % vol.). Eine Reihe von Marken haben die Bezeichnung Jantar übernommen, das tschechische Wort für Bernstein, obwohl sich diese nicht wesentlich von anderen Bieren dieses Stils unterscheiden.
Zámecký Pivovar Frýdlants Interpretation eines Polotmavý ist etwas röter als die meisten (Foto: André Brunnsberg)
India Pale Lager (oder IPL)
Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um eine mit Lagerhefe vergorene Variante des IPAs. Die Brauer experimentieren immer noch damit, welcher Hopfen aus der Neuen Welt am besten in diesem tendenziell hellen bernsteinfarbenen Gebräu funktioniert. Einige Beispiele werden mit Ale-Hefe fermentiert, was uns an der langfristigen Lebensfähigkeit dieses Stils oder zumindest seines Namens zweifeln lässt.




